Verrückt ist das. Gerade eben erst habe ich den Text zu deinem Halbgeburtstag geschrieben, zack, bist du schon wieder drei Monate älter und damit eine ganze Schwangerschaft alt. Also, meine Schwangerschaft mit dir, denn du kamst ja ein bisschen eher als erwartet. Aber was sind schon zehn Tage, du warst fertig, also machtest du dich auf den Weg.
Du wachst auf, da habe ich noch nicht einmal das Schlafzimmer verlassen, mit bisschen Glück habe ich es aus dem Bett und mal zur Tür geschafft. Duschen und Zähneputzen geht nur unter deiner Aufsicht, du verfolgst jede meiner Bewegungen und lässt mich niemals aus den Augen. Spätestens beim Anziehen reicht es dir dann auch – du musst jetzt wirklich ganz dringend auf meinen Arm.
Deinen Bruder wecken wir dann gemeinsam, seine morgendliche Routine habe ich mit dir in der Trage perfektioniert. Du liebst ihn abgöttisch, strahlst, sobald du ihn siehst. Du möchtest hinterher, so gern mit ihm spielen, bist plötzlich mittendrin statt nur dabei. Du beobachtest ihn und himmelst ihn an. Dein Lächeln öffnet Herzen, dein Glucksen steckt an und was dein Lachen mit mir macht, ist nicht in Worte zu fassen.
Fahren wir Auto, sitzt du neben mir, auf mir allein ruht dein Blick. Manchmal schläfst du darüber ein. Wenn nicht, kommunizierst du klar, dass es genug ist. So laut und so lange, bis das Auto hält. Abwarten? Nicht dein Ding. Und stillliegen? Schon gar nicht. Das gilt auch für die Wickelkommode, du hasst es, gewickelt zu werden, dafür hast du gar keine Zeit. Entdecken möchtest du und erkunden. Wenn du könntest, würdest du runter springen und loslaufen, alles genau unter die Lupe nehmen, erforschen.
Und abends hast du dann vor lauter erlebten Abenteuern kaum noch Geduld übrig, dein Akku ist leer, du bist erschöpft. Nichts ist dir mehr Recht, du kannst jetzt nicht mehr und wendest dich ab. Geduld aus, Alarm an. Dann schnell ab ins Bett. Du schmiegst dich an mich, hältst mich ganz fest und stillst dich in den Schlaf. Lässt mich nicht gehen, fasst immer wieder nach und schreckst auf, wenn ich mich versuche zu befreien. Meistens gelingt es dann doch, mich wegzuschleichen und muddimüde auf die Couch zu fallen. Für nicht wirklich lange, maximal eine Stunde, bevor du meine Abwesenheit bemerkst und energisch nach mir verlangst. Du bist nicht der beste Schläfer, wachst nachts häufig auf. Versicherst dich, dass ich noch da bin, trinkst hastig und schläfst dann schnell wieder ein. Immer eine Hand oder ein Fuß auf meinem Arm, meinem Bein, meiner Haut.
Neun Monate bist du jetzt auf der Welt, schon doppelt solange ein Teil von uns. Ich kann mich kaum noch erinnern, wie es ohne dich war und freue mich auf jeden weiteren Tag mit dir. Happy Dreivierteljahr, kleine Rakete, es ist so schön, dass es dich gibt!
Und wie noch viel fertiger du inzwischen schon bist!
Aus dir ist eine richtige kleine Persönlichkeit geworden, mit eigenem Willen (oh man, und was für einer!) und mit Charakter. Du zeigst ganz genau, wenn du etwas nicht gut findest, laut und deutlich gibst du dann Bescheid. Du forderst, was du brauchst, so beharrlich und eindringlich, bis du es bekommst. Und was du brauchst, bin meistens ich. Egal ob Langeweile, Hunger, müde oder einfach nur das dringende Bedürfnis mir nah zu sein – meine Anwesenheit, unser Körperkontakt allein macht, dass es dir besser geht. In meinen Armen entdeckst du die Welt, stillst du deinen Hunger, findest du Geborgenheit, kommst du zur Ruhe. Klar darf dein Papa das auch immer versuchen, aber nur solange du es duldest, dann verlangst du wieder nach mir. Spass machen geht klar, beruhigen doch lieber nicht.
Mein Herzschlag ist dein Lieblingsbeat.
Er macht dir gute Laune, wenn du aufwachst, tröstet dich, wenn du traurig bist, beruhigt dich, wenn du aufgebracht bist. Klopft dich rhythmisch in den Schlaf. Sowieso schläfst du am besten, wenn ich neben dir lieg, deine kleine Hand auf meiner Haut, dein Gesichtchen und deinen Körper fest an mich gedrückt.



Du bist so neugierig!
Überall möchtest probieren, stopfst dir zielsicher alles selbst in den Mund. Brei ist nichts für dich, du möchtest fühlen, was du da isst, Konsistenz und Geschmack erforschen, Haptik erfahren. Wasser trinken? Ja bitte, aber nur aus dem Becher.


Liebst,










9 Kommentare
Hallo Judith 😇
vielen Dank für Deinen sehr unterhaltsamen und informativen Beitrag! Ich laufe nun fast 47 junge Jahre mit einem Berg Haaren durch die Weltgeschichte, welche ich (welch Überraschung) immer wieder Glätte…Föhne…Öle…Zusammenbinde und ja auch soooo oft verwünsche. Aber die Locken die mich als Kind haben Tränchen kullern lassen mit stolz und Freude tragen? Nielmals…dachte ich. Bis hierhin😄Denn Du hast mich überzeugt meine Locken nicht mehr nur im Kopf sondern auch auf dem Kopf zu tragen. Jetzt heißt es nur noch alles flink dafür zu besorgen und das Abenteuer zu wagen! Dir eine Gute Zeit. Viele Grüße
du schreibst am Anfang etwas von „kein Mikroplastik“. dann prüfe doch nochmal die Inhaltsstoffe von cantu… Mikroplastik!
Ich möchte auch moderne Locken tragen. Bisher hatte ich eher glatte Haare. Gut zu wissen, dass es ein Buch gibt, dass Tipps dazu gibt, wie man seine natürlichen Locken pflegen kann.
Auch ich bin aufgrund meiner sehr starken und kleinen Locken auf Conditioner angewiesen, um meine Haare überhaupt kämmen zu können. Leider ist es nach jeder Haarwäsche ein Zufall, ob meine Frisur anschließend gut aussehen wird oder nicht, da ich seit Jahren dieselbe Vorgehensweise bei der Lockenpflege beibehalte. Vielleicht wird mir demnächst ein Friseur Tipps geben können, wie ich das Maximale an Volumen aus meinem Haar rausholen kann, wenn ich mir für eine bevorstehende Hochzeit eine besondere Frisur kreieren lasse.
Vielen Dank für deinen ehrlichen Bericht! Ich war heute beim Friseur und dort hat man mir auch die Curly Girl Methode empfohlen. Allerdings bin ich genau wie du auch sehr überfordert von allem. Ich hoffe, bei mir ändert sich das ebenfalls schnell und ich erreiche gute Ergebnisse damit.
Ich habe vor 2 Wochen nach 20 Jahren Keratin und täglich glätten auch aufgegeben. Meine Haare sind ca 70cm lang und extrem dick. Ein endloser Kampf. Seit ich sie nur noch wasche und luft trockne hab ich jetzt einen lockenkopf als ob ich von Friseur komme. Fühle mich damit allerdings überhaupt nicht wohl , muss mich erst daran gewöhnen
Liebe Caren, danke fürs Teilen deiner Gedanken!
Huch…das ist aber ein riesiger Aufwand!!! Und die Menge an Produkten. Das geht ins Geld, ne Menge Wasser wird verbraucht. Ich brauche nur eine Nussgrosse Menge Shampoo. Habe in Frankreich ein Shampoo gefunden, der Hammer! Die Inhaltsstoffe hab ich nicht angeschaut, brauch aber sehr sehr wenig und auch nur 2x die Woche. Versucht mal …von Dessange, Nutri- Extrême Richesse. Shampooing concentré nutrition für cheveux trés secs réches, ternes. Mit Huiles précieuses d’onagre et sésame. Keine Ahnung wo man das in Deutschland oder der Schweiz sonst bekommt aber man geht ja in die Ferien und das Shampoo gibts dort in diversen Supermärkten.
Hi Christina, danke für deine Worte! Ehrlich gesagt ist der Aufwand nur während der Umstellung größer, inzwischen brauche ich nicht länger als vorher. Und da zumindest ich meine Harre auch nur noch einmal pro Woche waschen muss, halten die Produkte auch ewig. Aber ich schau mir die Produkte gerne an, danke für den Tipp!
LG Judith