Minimalismus, ne, ist ja aktuell irgendwie in aller Munde. Einrichtungsseitig haben wir da scheinbar ein Händchen für, wahrscheinlich hat schon der ein oder andere Nachbar mitleidig gedacht, dass die armen Kinder (also, wir) sich keine Möbel leisten können uns sich deswegen nix ins die Zimmer stellen wollen. Gut, sooo minimalistisch ist es jetzt auch nicht, vor allem, wenn man mal von den Möbeln absieht, die man vor lauter Krempel (was ist eigentlich das Gegenteil von Minimalismus? Messi-ismus?) manchmal gar nicht erkennt. Aber ich schweife ab.
Eines Tages fällt dir auf, dass du 99% nicht brauchst
Worauf ich nämlich eigentlich hinaus will ist, dass ich mir eigentlich
für dieses Jahr vorgenommen hatte, mich Stück für Stück durchs Haus zu arbeiten und endlich mal auszumisten. Was, wenn wir gar nicht brauchen, was wir haben (= Zeug) und brauchen, was wir nicht haben (= Platz)? Es ist höchste Zeit, ein bisschen Ballast abzuwerfen. Kinderzimmer, Bad, Kleiderschränke, Küche… Das Zeug in unseren Kommoden. Was wir nämlich gut können, ist Sachen in Schubladen stopfen. Und zwar zu viele. Was wir nicht so gut können ist, das wenigstens nach einem System zu tun. Und während der Mann mit einem unfassbaren Glück trotzdem immer genau findet, was er sucht, verzweifle ich regelmäßig.
Alles zu seiner Zeit
Als ich dann gestern das Bad saubergemacht habe (whoohoo!), überkam es mich und statt wie sonst nur alles anzuheben, drunter abzuwischen und es genau dort wieder hinzustellen, habe ich etwa 2/3 der Dinge, die draußen rumstanden, entsorgt. Ich habe mich wie in sämtlichen Ratgebern vorgeschlagen gefragt, ob ich sie in den letzten Wochen/Monaten benutzt habe und falls nicht, ob sie mir/uns Freude bringen. Und wenn nicht mindestens eine Frage mit ‚Hell, yes!‘ beantwortet werden konnte, wanderten die Dinge rigoros in den Müll. Als ich damit fertig war, war ich so zufrieden und stolz, dass ich großspurig tönte, jetzt aber, hah, jetzt sei auch direkt noch der Kühlschrank dran.
Ähm ja, und da war ich nun. Samstagabend, kurz nach acht. Das mir zum ins Bett bringen betraute Kind schlief bereits und der Mann steckte noch im Kinderzimmer, um dort das seinige in die Träume zu begleiten. Tja, und nun? Couch oder Küche? Couch oder…
Einmal auslöffeln, bitte.
Ich zeterte und haderte und hätte mich für meinen Aktionismus ohrfeigen können (Wo bitte kommt das denn auf einmal her überhaupt? Als hätte ich auch nur einen Funken Energie über, pah!), aber ich wusste, wenn nicht jetzt, dann mit Sicherheit auch nicht morgen und wer weiß, wann überhaupt. Also Küche.
Im Endeffekt ging es dann ganz schnell. Einmal alle Lebensmittel ausgeräumt, dabei die, die seit fünfunddrölfzig Jahren angebrochen (gleiche Frage – habe ich es in den letzten Wochen benutzt? Macht es mir Freude?) oder abgelaufen sind, direkt entsorgt. Der Rest war ein Klacks. Die Böden nacheinander raus nehmen, abspülen, trocken und wieder rein legen, gleiches Prozedere mit den Schubladen, fertig. Schon konnte alles wieder eingeräumt werden.
Husch, ins Körbchen
Worüber ich mir früher auch keine Gedanken gemacht habe, ist, wo im Kühlschrank was am besten aufbewahrt wird. Klar, ergibt bei einem Inhalt, der sich aus ner Tube Senf, nem Glas Cornichons, zwei Bier und drei Fläschchen Nagellack zusammensetzt auch keinen großen Sinn. Da sich aber spätestens seit den Kindern an unserer Kühlschrankfülle etwas verändert hat (Oh schau, plötzlich haben wir Essen drin!), und dieses wahllose Schubladengestopfe auch hier meistens ganz gut funktionierte, war es an der Zeit, das mal anzugehen.
Alles an seinen Platz
So findet sich
- Obst und Gemüse jetzt in den beiden großen Schubladen ganz unten (gut, DAS haben selbst wir bisher hinbekommen),
- darüber in den Frischeschubladen liegen die minimalen Fleischvorräte fürs Wochenende und Getränke.
- In der nächsten Etage findet sich alles, was Käse oder Aufstrich ist.
- Sahne und die milchfreien Alternativen, Joghurts und Co stehen in dem Fach darüber
- und ganz oben ist Platz für Marmeladen und Konserven.
- In der Tür stehen, von unten nach oben, Getränke, Saucen, Eier und Butter bzw. Alsan.
So halten die Sachen länger frisch und es wird weniger Energie verschwendet, als es bei falscher Lagerung der Fall wäre.
Das Ganze hat übrigens nicht länger als eine halbe Stunde gedauert wird von nun an definitiv regelmäßig(er) wiederholt. Und jetzt entschuldigt mich, ich muss schnell mal in den Kühlschrank schauen und mich freuen, dass man jetzt sogar die Lampen erkennen kann, weil sie nicht sinnlos zugestellt sind.
Einen schönen Sonntag und liebst,
9 Kommentare
Hallo Judith 😇
vielen Dank für Deinen sehr unterhaltsamen und informativen Beitrag! Ich laufe nun fast 47 junge Jahre mit einem Berg Haaren durch die Weltgeschichte, welche ich (welch Überraschung) immer wieder Glätte…Föhne…Öle…Zusammenbinde und ja auch soooo oft verwünsche. Aber die Locken die mich als Kind haben Tränchen kullern lassen mit stolz und Freude tragen? Nielmals…dachte ich. Bis hierhin😄Denn Du hast mich überzeugt meine Locken nicht mehr nur im Kopf sondern auch auf dem Kopf zu tragen. Jetzt heißt es nur noch alles flink dafür zu besorgen und das Abenteuer zu wagen! Dir eine Gute Zeit. Viele Grüße
du schreibst am Anfang etwas von „kein Mikroplastik“. dann prüfe doch nochmal die Inhaltsstoffe von cantu… Mikroplastik!
Ich möchte auch moderne Locken tragen. Bisher hatte ich eher glatte Haare. Gut zu wissen, dass es ein Buch gibt, dass Tipps dazu gibt, wie man seine natürlichen Locken pflegen kann.
Auch ich bin aufgrund meiner sehr starken und kleinen Locken auf Conditioner angewiesen, um meine Haare überhaupt kämmen zu können. Leider ist es nach jeder Haarwäsche ein Zufall, ob meine Frisur anschließend gut aussehen wird oder nicht, da ich seit Jahren dieselbe Vorgehensweise bei der Lockenpflege beibehalte. Vielleicht wird mir demnächst ein Friseur Tipps geben können, wie ich das Maximale an Volumen aus meinem Haar rausholen kann, wenn ich mir für eine bevorstehende Hochzeit eine besondere Frisur kreieren lasse.
Vielen Dank für deinen ehrlichen Bericht! Ich war heute beim Friseur und dort hat man mir auch die Curly Girl Methode empfohlen. Allerdings bin ich genau wie du auch sehr überfordert von allem. Ich hoffe, bei mir ändert sich das ebenfalls schnell und ich erreiche gute Ergebnisse damit.
Ich habe vor 2 Wochen nach 20 Jahren Keratin und täglich glätten auch aufgegeben. Meine Haare sind ca 70cm lang und extrem dick. Ein endloser Kampf. Seit ich sie nur noch wasche und luft trockne hab ich jetzt einen lockenkopf als ob ich von Friseur komme. Fühle mich damit allerdings überhaupt nicht wohl , muss mich erst daran gewöhnen
Liebe Caren, danke fürs Teilen deiner Gedanken!
Huch…das ist aber ein riesiger Aufwand!!! Und die Menge an Produkten. Das geht ins Geld, ne Menge Wasser wird verbraucht. Ich brauche nur eine Nussgrosse Menge Shampoo. Habe in Frankreich ein Shampoo gefunden, der Hammer! Die Inhaltsstoffe hab ich nicht angeschaut, brauch aber sehr sehr wenig und auch nur 2x die Woche. Versucht mal …von Dessange, Nutri- Extrême Richesse. Shampooing concentré nutrition für cheveux trés secs réches, ternes. Mit Huiles précieuses d’onagre et sésame. Keine Ahnung wo man das in Deutschland oder der Schweiz sonst bekommt aber man geht ja in die Ferien und das Shampoo gibts dort in diversen Supermärkten.
Hi Christina, danke für deine Worte! Ehrlich gesagt ist der Aufwand nur während der Umstellung größer, inzwischen brauche ich nicht länger als vorher. Und da zumindest ich meine Harre auch nur noch einmal pro Woche waschen muss, halten die Produkte auch ewig. Aber ich schau mir die Produkte gerne an, danke für den Tipp!
LG Judith