Ich glaube das ehrlichste, mutigste und vielleicht auch traurigste, was ich jemals zugegeben habe ist, dass ich jetzt erst anfange, meine beiden Kinder so richtig zu genießen. Versteht mich nicht falsch, natürlich liebte ich unseren Jüngsten, seitdem ich von ihm wusste und an manchen Tagen sogar so sehr, dass es beinah schon weh tut. Unser Leben zu viert aber habe ich bislang weitestgehend als sauanstrengend, kräftezehrend und zermürbend empfunden (kann Spuren von schön enthalten). Hand aufs Herz: Der Hashtag #tooblessedtobestressed war für mich vor allem eins – falschrum.
Aber die Wogen haben sich geglättet und es ist, zusammen mit dem ersten Schnee, etwas Ruhe eingekehrt. Aus dem so unglücklichen Nesthäkchen ist ein fröhliches, abenteuerlustiges Krabbelkind geworden, dass es inzwischen auch durch Gebärden schafft, mir mitzuteilen, was es braucht. Es entdeckt seine, unsere Welt, spielt und beobachtet. Es vergöttert seinen großen Bruder, der sich wirklich rührend um ihn sorgt und mir bleibt Zeit zum Verschnaufen. Endlich mal durchatmen, ein und wieder aus, ganz in Ruhe und mit einem Lächeln.




Es liegt nicht an dir, es liegt an mir.
An den Jungs liegt das nicht und schon gar nicht am Kleinen. Niemand kann etwas dafür, dass er solche Schwierigkeiten hatte, sich in dieser Welt einzufinden. Sein Weinen war – und ist noch immer – die einzige Möglichkeit, mir etwas mitzuteilen, mir Bescheid zu sagen, dass es ihm nicht gut geht. Dass sich etwas ändern soll. Dass irgendwas so dermaßen zwickt und zwackt, dass er es fast nicht aushalten kann. Dass ich das nach Nächten mit nur sehr wenig Schlaf nicht gut ertragen kann, ist wohl maximal verständlich und minimal bewusst verschuldet. (Und während ich das hier schreibe, vermisse ich ihn schon wieder. Klar, er ist ja auch schon seit 13 Minuten weg. Tze, Mütter, ey.)Du bist es nicht, es bin allein ich.
Je lauter unsere Tage waren, desto schneller waren unsere Akkus alle. Unserer aller Akkus, die mit den Energiereserven, aber auch der Aufmerksamkeitsakku und der mit Kuscheleinheiten und Mamanähe drin. Und das schlimmstenfalls gleichzeitig. Je mehr ich damit beschäftigt war, dem Kleinen hopswackelnd Trost zu spenden, desto mehr brauchte mich auch der Große für all seine „Mama kuck, was ich schon kann“s und die „Kannst du mir bitte vorlesen“s. Ich hasste es, ihn wieder und wieder vertrösten zu müssen und bei jedem „Jetzt nicht, du siehst doch, ich kann gerade nicht“ brach mein Herz ein bisschen mehr. Klar hatte er nur eine Möglichkeit – er musste mir beweisen, wie ernst die Lage ist, wie sehr auch er mich noch braucht und das bitte ganz dringend und am liebsten auf der Stelle. Außergewöhnliche Situationen erfordern außergewöhnliche Maßnahmen, und wenn es ihm durch bitten und fragen nicht gelang, auch mal ein bisschen Mama abzubekommen, griff er eben zu härteren Waffen. Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt und spätestens, wenn man die Wände anmalt, ist Mama auch wieder ganz Ohr.The days are long, but the years are short.
So gingen die Tage ins Land, einer wieder andere, alle sehr gleich. Alle sehr austauschbar, alle – zumindest was die Details angeht – fast vergessen. In ein paar Tagen wird das Baby schon 11 Monate alt, noch drei Wimpernschläge mehr und wir feiern seinen ersten Geburtstag.


Glück verdoppelt sich, wenn man es teilt. Liebe potenziert sich.
Und diese Momente, in denen mein Herz überläuft vor Glück und Liebe und Dankbarkeit, sie häufen sich enorm. Wir, zu dritt oder am Wochenende zu viert, auf dem bunten Teppich im Kinderzimmer. Zwei puzzeln, schieben Autos durch kleine Fantasiewelten oder lesen, zwei bauen Türmchen, erfühlen Gegenstände oder tanzen. In wechselnder Besetzung. Manchmal jeder für sich, manchmal alle gemeinsam. Es ist ein schönes Bild, was ich da seh, und es macht so Lust auf mehr.Aufräumzeit, es ist soweit. Aufräumen, aufräumen!
Es sind noch nicht alle Wunden verheilt, der Rücken ächzt und ein paar Pflaster kleben noch. Schlaflose Monate zollen Tribut, ein überanstrengter Körper braucht Zeit zum Erholen. Die kleinen Risse im Herzen, sie schließen sich wieder und ich bin sicher, dass die Zeit zum wiederholten Male alle Wunden heilt. Auch diesmal wieder und der Schorf ist schon da. Sprichwörtlich nur, aber ich kann ihn fast fühlen. Wahrscheinlich wird er noch ein paar Mal aufreißen, dann ziept es bestimmt, das ist mir klar. Aber früher oder später wird er abfallen, irgendwann sogar ganz. Und ich hab das Gefühl, dass das gar nicht mehr lange dauern wird.



Liebst,










9 Kommentare
Hallo Judith 😇
vielen Dank für Deinen sehr unterhaltsamen und informativen Beitrag! Ich laufe nun fast 47 junge Jahre mit einem Berg Haaren durch die Weltgeschichte, welche ich (welch Überraschung) immer wieder Glätte…Föhne…Öle…Zusammenbinde und ja auch soooo oft verwünsche. Aber die Locken die mich als Kind haben Tränchen kullern lassen mit stolz und Freude tragen? Nielmals…dachte ich. Bis hierhin😄Denn Du hast mich überzeugt meine Locken nicht mehr nur im Kopf sondern auch auf dem Kopf zu tragen. Jetzt heißt es nur noch alles flink dafür zu besorgen und das Abenteuer zu wagen! Dir eine Gute Zeit. Viele Grüße
du schreibst am Anfang etwas von „kein Mikroplastik“. dann prüfe doch nochmal die Inhaltsstoffe von cantu… Mikroplastik!
Ich möchte auch moderne Locken tragen. Bisher hatte ich eher glatte Haare. Gut zu wissen, dass es ein Buch gibt, dass Tipps dazu gibt, wie man seine natürlichen Locken pflegen kann.
Auch ich bin aufgrund meiner sehr starken und kleinen Locken auf Conditioner angewiesen, um meine Haare überhaupt kämmen zu können. Leider ist es nach jeder Haarwäsche ein Zufall, ob meine Frisur anschließend gut aussehen wird oder nicht, da ich seit Jahren dieselbe Vorgehensweise bei der Lockenpflege beibehalte. Vielleicht wird mir demnächst ein Friseur Tipps geben können, wie ich das Maximale an Volumen aus meinem Haar rausholen kann, wenn ich mir für eine bevorstehende Hochzeit eine besondere Frisur kreieren lasse.
Vielen Dank für deinen ehrlichen Bericht! Ich war heute beim Friseur und dort hat man mir auch die Curly Girl Methode empfohlen. Allerdings bin ich genau wie du auch sehr überfordert von allem. Ich hoffe, bei mir ändert sich das ebenfalls schnell und ich erreiche gute Ergebnisse damit.
Ich habe vor 2 Wochen nach 20 Jahren Keratin und täglich glätten auch aufgegeben. Meine Haare sind ca 70cm lang und extrem dick. Ein endloser Kampf. Seit ich sie nur noch wasche und luft trockne hab ich jetzt einen lockenkopf als ob ich von Friseur komme. Fühle mich damit allerdings überhaupt nicht wohl , muss mich erst daran gewöhnen
Liebe Caren, danke fürs Teilen deiner Gedanken!
Huch…das ist aber ein riesiger Aufwand!!! Und die Menge an Produkten. Das geht ins Geld, ne Menge Wasser wird verbraucht. Ich brauche nur eine Nussgrosse Menge Shampoo. Habe in Frankreich ein Shampoo gefunden, der Hammer! Die Inhaltsstoffe hab ich nicht angeschaut, brauch aber sehr sehr wenig und auch nur 2x die Woche. Versucht mal …von Dessange, Nutri- Extrême Richesse. Shampooing concentré nutrition für cheveux trés secs réches, ternes. Mit Huiles précieuses d’onagre et sésame. Keine Ahnung wo man das in Deutschland oder der Schweiz sonst bekommt aber man geht ja in die Ferien und das Shampoo gibts dort in diversen Supermärkten.
Hi Christina, danke für deine Worte! Ehrlich gesagt ist der Aufwand nur während der Umstellung größer, inzwischen brauche ich nicht länger als vorher. Und da zumindest ich meine Harre auch nur noch einmal pro Woche waschen muss, halten die Produkte auch ewig. Aber ich schau mir die Produkte gerne an, danke für den Tipp!
LG Judith