Da steht sie plötzlich, schwarz und fett auf einem blassrosa Papier, die Tinte ein bisschen verschwommen. Eine Abkürzung, die mir die Tränen in die Augen schießen lässt – genau jetzt und unzählige Male in der letzten Zeit, immer wieder, ungebremst rückwärts bergab und keine Chance, die Bremse zu ziehen.
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Mehr InformationenF32.2 steht da nun, der ICD-10 Code für „schwere depressive Episode“. Schwarz. Und fett. Auf blassrosa Papier. Die Tinte ein bisschen verschwommen. Wie das, was F32.2 mit mir macht. Der Grund dafür, dass ich mich in den letzten Wochen so elend fühlte. Und gleichermaßen die Erklärung, warum ich zu kraft- und machtlos war, auch nur ansatzweise etwas dagegen zu tun. „Die schlechte Laune“ in den Griff zu bekommen, mich mal „n bisschen zusammenzureißen“. Hab an mir gezweifelt, bin an mir verzweifelt und hab einfach immer noch ein bisschen mehr gegeben. Hab mich infrage gestellt, mir mein Empfinden verboten und mich selbst verloren zwischen „Lächel doch mal, ist doch halb so wild“!, „Läuft doch bei dir, du hast, was du brauchst!“ und „Glaub ich nicht, du bist doch fröhlich und stark“.
Ich hab’s ja nicht mal gemerkt. Hab’s nicht gesehen, nicht hingeschaut. War zwar hart gestresst und irre erschöpft, aber zugeben? Niemals. Ich doch nicht, ich muss funktionieren. Ist doch halb so wild, ich hab doch, was ich brauche. Vielleicht fiel mir das Aufstehen schwer, noch ein kleines bisschen schwerer als sonst. Und das Anfangen, das Dranbleiben. Das Aufhören? Erst recht. Und das Gefühl? War zu gewohnt, ein alter Bekannter, schon oft zu Besuch. Also Tunnelblick-Modus, mit Scheuklappen auf. Weil, mit Augen zu, ist das Monster doch weg?
Nun, ist es nicht, ob ich will oder nicht, sitzt groß und schwer auf meiner Brust. Lässt mich nicht atmen, lähmt mich, erdrückt mich förmlich mit seiner Last.
Doch ich hab’s jetzt entdeckt, sein Versteck ist bekannt. Ich hab’s ausgehoben, das Biest erkennbar gemacht. Ich kenne seinen Namen, seine Gestalt, seinen Plan. Und den werde ich durchkreuzen, irgendwann. Nicht heute und nicht morgen, aber dass, das ist klar. Und irgendwann bin ich dann wieder da. Und was mich trägt, ist die Hoffnung darauf. Ich bin zwar gefallen, doch ich steh wieder auf.
Liebst,









4 Kommentare
Danke für den schönen Text! Meinen beiden Jings geht es ganz genauso.
Und dann hat sich der 5 jährige im August die langen Haare selber abgeschnitten mit anschließender Kahlrasur durch mich. Da kam prompt von allen Seiten die Frage an den 8jährigen, ob er das jetzt nicht auch machen wolle, damit man endlich erkenne, dass er kein Mädchen sei. Die nächsten Tage lief das kahlköpfige Zwergenkind im Kleid durch die Welt. Da waren dann die Leute vollends geplättet.
Warum kann man denn die Kinder nicht einfach machen lassen, solange sie niemandem weh tun?
Danke für für deine lieben Worte. Und ja, ich verstehe es auch nicht. Mich tröstet manchmal der Gedanke, dass die meisten es ja nicht "böswillig" unterstellen, sondern einfach über Jahre so gelernt haben. Das wieder aufzuweichen, geht wohl leider nicht über Nacht. Bleiben wir gemeinsam dran in der Hoffnung, dass das für die Kinder unserer Kinder vielleicht kein so großes Thema mehr ist. ❤️
Danke für die wunderbaren Worte. Ich wünsche allen Kindern mehr Freiheiten im experimentieren und sich selber erforschen, in der Hoffnung das daraus in sich selbst ruhende Erwachsene werden können.
Lieber Paul, danke für deine wertschätzenden Worte, sie berühren mich sehr! Liebe Grüße!